Phänomen Brünn

Paparazzo oder Künstler?

26.9.2019

Bei Radim Dibdiak müssen Sie sich vorsehen. Wenn er auftaucht, sollten Sie auf Ihr Doppelkinn aufpassen, und auch darauf, mit wem Sie gerade Händchen halten. Radim hält nämlich mit einer digitalen Spiegelreflexkamera Händchen und „überfährt“ Sie, bevor Sie es bemerken. Seine künstlerische Lizenz erlaubt es ihm darüber hinaus, sich nicht um Formalitäten wie GDPR kümmern zu müssen, also können Sie sich später selbst auf einer seiner Ausstellungen wiederfinden, oder noch schlimmer – auf seiner Facebook-Profilwand.

Er stammt aus Kyjov, lebt aber von klein auf in Brünn, wo er zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Cafészene geworden ist. Im Jahr 2000 kaufte er sich seine erste Digitalkamera und ohne sein „drittes Auge“ verlässt er das Haus nie. Er fotografiert die Stadt, die Menschen und die Situationen um Sie herum, führt aber auch Fotostudioarbeiten aus und fotografiert auf Bestellung. Jede seiner Fotografien durchläuft eine digitale Postproduktion, dank der er einen einzigartigen Stil geschaffen hat.

Autoportrét Radima Dibdiaka Radim Dibdiak facebook.com/radimdibdiakk

Haltestelle Foto Radim Dibdiak

City Boy

Radim haben wir vor allem wegen seiner unübertroffenen Kollektion lokaler Stadtfotografien ausgewählt. Seine Karriere nimmt er nicht auf die leichte Schulter, und wenn er nicht gerade im Studio ist, liegt er auf einer der Café-Terrassen geduldig auf der Lauer. Meistens können Sie ihm im Café Tungsram, Švanda, Milada oder jetzt wahrscheinlich wieder im Art begegnen. Er wartet auf das richtige Licht, einen unerwarteten Blickwinkel und vor allem epische Situationen. Und seine Geduld macht sich bezahlt, weil es ihm regelmäßig gelingt, Momente einzufangen, die man wahrscheinlich gar nicht stellen könnte.

Rauch Foto Radim Dibdiak

Frauen im Studio

Auf die Frage, welche Art von Arbeit ihm am meisten Spaß macht, ist die Antwort, Models im Studio zu fotografieren. Etwas überraschender fügt er dann hinzu, dass er auch gern die Kinder von Freunden fotografiert. Aber sie müssen das richtige Alter haben, wo man ihre Unschuld, Natürlichkeit und Authentizität erfassen kann. Nur wenige Monate später wissen die Kinder dann schon oft, was passiert und verstecken sich oder grinsen in erlernten Posen in die Kamera. So sind heute sogar schon Kleinkinder an Selfies gewöhnt, dass sie fotografiert werden, und lächeln auf Anweisung.

Easy Rider Foto Radim Dibdiak

Ich fahre das ganze Leben auf Photoshop ab

Geduld und Beobachtungsgabe mischt sich in Radims Schöpfung mit Verspieltheit. Er studierte Grafik, und so kann er sich mit Photoshop da helfen, wo ihm etwas an Perfektion fehlt. Der beliebten Schwarz-Weiß-Skala stellt er Neonfarben und visuelle Scratches entgegen. Manchmal geht es um dezente Postproduktion, ein andermal manipuliert er offen mit dem Bild und es gibt auch Fälle, in denen er ordentlich einen drauf macht. Wenn die Wirklichkeit seine Erwartungen nicht erfüllt, verfügt er über Mittel, die es ihm erlauben, seine eigene, völlig neue Realität zu schaffen.

Kumulus Foto Radim Dibdiak

Dibdiaks Brünn

Wie Radim sagt, ist er ein territorialer Künstler. Wichtig für ihn sind seine Erinnerungen an die Ferien in Kyjov, die er als kleiner Junge bei den Großeltern verbrachte, und wo er auf der Straße den legendären Fotografen und Maler Miroslav Tichý traf. Als er als Erwachsener eine Pause von Brünn benötigte, zog er für ein paar Jahre auf Probe nach London. Der Versuch scheiterte jedoch und er kehrte wie ein geprügelter Hund zurück. Die Hauptrolle in seinem Leben wird so vielleicht für immer Brünn spielen. Er behauptet, dass er die Stadt komplett fotografiert hat, nur bei künstlerischen Eskapaden verblieb ein Teil des Archivs auf gestohlenen oder verloren gegangenen Laptops. Seine Vision von der Stadt und ihren Bewohnern hat er zu einer charakteristischen Form entwickelt, die das Publikum bei ihm so liebt. Dies belegt auch die Gesamtzahl von 15 Einzelausstellungen, die er hier angeführt hat.  Schau in Radims Instagram und HIER können Sie seine Fotos für sich kaufen.

 

Fotogalerie

Schicke Radim Dibdiak in die Welt hinaus, damit seine Ausstellung auch viele Nicht-Brünner zu sehen bekommen!