• Genau in diesen Häusern entstand das „Hantec“ - eine Kombination aus Tschechisch, Deutsch und Jiddisch.

  • Die Pawlatschenhäuser entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts für Arbeiter.

  • Schlechte hygienische Bedingungen und eine hohe Sterblichkeit der Textilarbeiter.

Zuhause der Brünner Arbeiterschaft

Im Stadtteil Cejl entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts die sogenannten Pawlatschenhäuser für Arbeiter, die aus armen Gegenden der Böhmisch-mährischen Höhe und des Drahaner Berglands mit dem Wunsch nach Brünn kamen, Arbeit in den örtlichen Textilfabriken zu finden. In den Mietskasernen wurden neue tschechische, deutsche und jüdische Ankömmlinge ansässig, und ungeachtet ihrer Volkszugehörigkeit bildeten sie hier eine neue städtische Gemeinschaft. Genau in diesen Straßen und Häusern entstand das „Hantec“, ein spezifischer Brünner Dialekt der unteren Gesellschaftsschichten, eine Kombination aus Tschechisch, Deutsch und Jiddisch.

Das Leben in den Pawlatschenhäusern war keineswegs komfortabel – jedes von ihnen hatte so viele Bewohner wie ein durchschnittliches Dorf. Die meistens mehr als sechsköpfigen Textilarbeiterfamilien bewohnten nur ein Zimmer mit Küche, die durch ein Oberlicht über der Eingangstür beleuchtet war, ohne fließend Wasser und mit einer gemeinsamen Toilette für die ganze Etage. Um die eigene finanzielle Lage ein wenig aufzubessern, beherbergte die Familie weitere Angehörige oder Bekannte, die aus entfernter gelegenen Dörfern in die Fabriken kamen. Weil man häufig in Schichten arbeitete, kam es dazu, dass die Schläfer in dem Bett, das die Familie besaß, einander ablösten.

Die Zeitung Volksfreund beschrieb 1907 die Wohnsituation an der Zeile, namentlich in dem Haus Cejl 77, so: „Zimmer und Küche. Zwei Betten für sechs Personen. Feucht bis zu zwei Meter Wohnungshöhe … Ein Abort für sieben Familien. Kein fließend Wasser. Eine offene Gosse. Senkgrube. Neben dem Brunnen befindet sich ein Kanal, der furchtbar stinkt. Miete 16 Kronen.“

Vor dem Hintergrund solcher Armut und der mangelnden hygienischen Möglichkeiten überrascht die hohe Sterblichkeit der Textilarbeiter nicht. Die häufigste Todesursache waren Darmkatarrh und Tuberkulose, die sich in dem staubigen Fabrikmilieu schnell verschlimmerte. Das Durchschnittsalter der Cejl-Bewohner bewegte sich damals um 33 Jahre.

Adresse und Kontakt

Bratislavská 41
60200 Brno

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